Kein Anschluss an Raids - Warum & was tun?


Es handelt sich hierbei mehr um einen Kommentar, der gleichzeitig aber auch Anleitung sein kann. Eben weil es ein Kommentar & ein komplexes Thema ist, gibt es hier eine lange Textwand, also vorsicht!


Einleitung & Problematik:

 

In WoW gibt es im Grunde zwei große Bereiche. Auf der einen Seite PvE und auf der anderen Seite PvP. Während im PvP die Arenen und gewerteten Schlachtfelder quasi die Königsdisziplin darstellen, so sind es im PvE die Raids.

 

Immer häufiger liest man in Foren aber auch im Spiel selbst Klagen darüber, dass zu hohe Ansprüche herrschen würden, um überhaupt an einem Raid teilnehmen zu dürfen. Viele Spieler seien frustriert, da sie Ansprüchen entsprechen müssten, die sie überhaupt nicht erreichen können, ohne überhaupt erstmal an einem Raid teilzunehmen. Als maßgebliche Kritikpunkte werden dabei stets die von Raidleitern angeblich zu hoch angesetzte Gegenstandsstufe sowie Erfolge genannt, die man den Raidleitern posten solle, um überhaupt am Raid teilnehmen zu dürfen.

 

So steht als zentrale Kritik im Raum:

 

 Viele Spieler würden keinen Anschluss finden aufgrund zu hoher Ansprüche.

 

In diesem Beitrag möchte ich ein wenig die Beweggründe für diverse Anforderungen seitens Raidleitern darlegen und Hilfestellung geben, um einen Raid zu finden.

 

Derzeitige Situation

 

Blizzard schlägt für den Raid Höllenfeuerzitadelle auf dem Schwierigkeitsgrad Normal eine Mindestgegenstandsstufe von 670 vor und auf heroisch eine Gegenstandsstufe von 690 Punkten. Diese Gegenstandsstufen sollten also tatsächlich mindestens erreicht sein, bevor man sich an diese Raids heranwagt. Dabei ist zu beachten, dass die Mindestgegenstandsstufen von Blizzard immer sehr großzügig niedrig angesetzt sind.

 

Der normale und heroische Schwierigkeitsgrad sind flexibel gestaltet. Die Modi können mit 10 - 30 Personen bespielt werden, wobei die Bosse und somit die Schwierigkeit stets nach Spieleranzahl angepasst wird. So kriegt der Boss z.B. mehr Leben, wenn auch mehr Spieler im Raid sind. Dafür macht der Raid aber ja auch mehr Schaden, weil ein Spieler mehr da ist.

 

Der mythische Schwierigkeitsgrad ist die oberste Spitze der Raids und in der Regel nicht für Randomgruppen ausgelegt. Dennoch kann man dort auch Random hingehen. Dann darf man aber nicht mit der Erwartung hingehen, "mal eben dort alles umzuhauen". Deshalb suchen für diesen Modi zumeist vor allem schon sehr erfahrene Spieler, die sich selbst schon länger auf diesem Schwierigkeitsgrad bewegen. Folglich setzten diese dann auch sehr hohe Ansprüche für diesen Modus an, nicht weil sie sich dadurch toll fühlen, sondern weil es einfach notwendig ist, um die Chance zu haben, dort etwas zu erreichen im Rahmen einer Randomgruppe.


Vergleich der Positionen

 

Im Folgenden möchte ich die Ansicht der Raidsuchenden und der Raidleiter vergleichend gegenüberstellen. Im Idealfall entsteht damit ein besseres Verständnis zwischen beiden Positionen.

 

Die Raidleitersicht

 

Der Raidleiter ist die Person, die sich bewusst dafür entscheidet, eine eigene Gruppe aufzubauen und sie sozusagen im Raid zu leiten bzw. anzuführen. Das bedeutet vor allem Folgendes:

  • Der Raidleiter entscheidet, welche Taktiken gespielt werden
  • Der Raidleiter setzt seine Aufnahmekriterien fest (z.B. Gegenstansstufe)
  • Der Raidleiter legt die Plünderbedingungen fest (also z.B. persönliche Beute)
  • Der Raidleiter entscheidet, wer mit darf und wer nicht
  • Der Raidleiter entscheidet, wie und in welcher Reihenfolge der Raid gespielt wird.

 Oder kurz zusammengefasst: Der Raidleiter ist der Boss. Womit wir gleich an einem Knackpunkt sind, denn seinen Boss muss man nicht mögen. Es kann sein, dass man nichts vom Vorgehen seines "Bosses" hält, aber er ist und bleibt der Boss. Wenn das Negative zu sehr überwiegt, dann muss man eben kündigen, also den Raid verlassen.

 

Im Idealfall ist der Raidleiter natürlich ein zuvorkommender, hilfsbereiter, spielerisch herausragender Spieler, ein wandelndes Lexikon bzgl. spielerischen Fragen und ein Meister seiner Klasse mit ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit.

 

In der Realität ist das natürlich nicht immer so gegeben sondern schlägt mal in das eine Extrem, mal in das andere. Doch stets gilt: Der Raidleiter ist Chef des Raids. Ohne Diskussion. Was für Qualitäten er hat, was man selbst von ihm hält und so weiter, all dies ist für diesen Tatbestand völlig unerheblich.

 

Daraus resultiert vor allem eines: Wenn man einem Raid beitritt, dann sollte man sich dieses Umstandes bewusst sein sowie der Konsequenzen daraus. Wenn einem die gesetzten Ansprüche eines Raids nicht zusagen, so muss man selbst einen Raid auf die Beine stellen oder sich eben einen Raid suchen, der den eigenen Anforderungen eher entspricht.

 

Was aber definitiv nicht geht, ist anderen Raidleitern diktieren zu wollen, wie sie gefälligst ihren Raid zu leiten haben.

 

Was sind die Ziele eines Raidleiters

 

Der Raidleiter will logischerweise den Raid möglichst erfolgreich zu Ende bringen. Es ist jetzt in der Verantwortung des Raidleiters, dies zu bewerkstelligen, was bei der Festlegung der Aufnahmekriterien beginnt, über die Auswahl der Leute, die Taktiken und so weiter.

 

Festlegung der Anforderungen (z.B. Gegenstandsstufe)

 

Womit wir schon bei einem großen Streitpunkt wären. Wenn für den Raid ein GS von 690 vorgeschlagen ist,, warum fordern dann einige Leute z.B. einen GS von 710? Das ist doch total fies und unfair!

 

Dazu gilt zu sagen: Nein, es ist nicht unfair im Allgemeinen, sondern es erscheint unpassend in den Augen des Suchenden. Wie oben bereits geschrieben wurde: Der Raidleiter legt die Spielregeln fest. Punkt. Wem diese nicht gefallen, der muss sich andere Raids suchen oder selbst einen starten. Jeder kann das, jeder darf das. Es gibt keine Priviligierten in WoW, welche einzig und allein Raids aufstellen dürfen.

 

Warum ist dies nicht unfair? Ganz einfach: Weil es viele Spieler gibt, die den Raid schon mehrfach durchgespielt haben und sich auch erspielt haben Stück für Stück. Diese wollen das Ganze dann nicht nochmal machen, nur damit jemand, der dies noch nicht getan hat, auch durch den Raid kommt. Beispielhaft sind da z.B. Archimonde Only-Gruppen. Die Leute wollen ohne größere Vorkommnisse einfach schnell den Boss besiegen, den sie schon viele Male vorher besiegt haben.

 

Sie wollen sich den Boss aber nicht erneut "erspielen", indem sie Leute mit niedrigen GS, weniger Erfahrung oder aber Beidem mitschleifen. Ja, das kann einem unbarmherzig vorkommen und ungerecht. Dennoch kann man anderen Leuten nicht einfach seine Wertvorstellungen aufzwingen und diesen Leuten quasi "verbieten", einfach schnell durch die Instanz zu wollen.

 

Die Ungerechtigkeit besteht hier im Grunde auch darin, dass wenn ein sehr viel schwächerer Spieler sich einer sehr viel stärkeren Raidgruppe anschließt, er sich ziehen lässt. Es wird bewusst die Stärke der anderen ausgenutzt, um die eigenen Defizite zu kompensieren. Und das ist dann ein Ausnutzen der anderen Spieler, die sich in der Regel die Bosse mühselig erspielt haben.

 

Wenn Spieler sich also beschweren, sie fänden es ungerecht, dass z.B. für Archimonde HC Only Gruppen so hohe Anforderungen gelten würden, dann beschweren sie sich im Grunde darüber, dass sie den Raid nicht gratis auf dem Silbertablett präsentiert bekommen, denn es gibt genügend Anfängergruppen sowie Gilden. Neben der Möglichkeit auch noch selbst einen Raid zu starten.

 

In Wahrheit haben sie selbst einfach keine Lust, sich mühsam bis zu Archimonde vorzuspielen mit Wipes und Rückschlägen und alles was dazu gehört. Statdessen will man sich gleich in das gemachte Nest setzen und mit einer starken Gruppe direkt Archimonde umhauen, auch wenn man selbst dazu eigentlich noch nicht viel beigetragen hat.


Aufnahme von Spielern in einen Raid

 

Der Raidleiter sieht folgende Dinge, wenn sich jemand beim Raid anmeldet:

  • Die Klasse
  • Die Rollen
  • Die Gegenstandsstufe
  • Evtl. Erfolge, die ihm zugeflüstert werden

 Der Raidleiter sieht eben nicht, wie gut ein Spieler tatsächlich ist. Er sieht nicht, wie gut ein Spieler irgendwo heraus laufen kann, er sieht nicht, wie gut ein Spieler heilt oder Schaden macht, er sieht nicht, wie gut ein Spieler die Bosse kennt, er sieht nicht wie gut ein Spieler vorbereitet ist und so weiter.

 

Diese Dinge kann ein Raidleiter alle nicht sehen. Dennoch muss er entscheiden, wer nun mitkommt. Natürlich ist es richtig, dass z.B. ein Spieler mit GS 670 enorm viel besser spielen kann, als ein Spieler der GS 730 ist, aber nach drei Sekunden Bosskampf im Staub liegt.

 

Doch der springende Punkt bleibt: Der Raidleiter kann dies nicht wissen! Der Raidleiter sieht nur einen GS von 670 auf der einen Seite und einen GS von 730 auf der anderen Seite. Die Überlegung, welche daraus resultiert ist folglich: Im Zweifel nehme ich den Spieler mit GS 730, bei dem die Ausrüstung immerhin noch viel kompensiert, sollte es ein schlechter Spieler sein. Nehme ich den Spieler mit GS 670, so habe ich im schlimsten Fall einen schlechten Spieler, der obendrauf ncoh schlechte Ausrüstung hat.

 

Natürlich ist es in hohem Maße unfair, wenn der bessere Spieler nur wegen niedrigerem GS abgelehnt wird. Doch nochmal: Der Raidleiter kann dies nicht wissen, ihm sind quasi die Hände gebunden. Und genau das ist der springende Punkt. Es liegt daher im logischen Denken begründet, warum in dem Beispiel hier der Spieler mit GS 730 vorgezogen wird.

 

Dies sollte man im Hinterkopf behalten. Diese Entscheidungen entstehen nicht aus Böswilligkeit, sondern aus logischem Vorgehen heraus. Und der Raidleiter ist deshalb kein böser Mensch, er versucht nur das Beste für den Raid herauszuholen. Das kann man ihm nicht als falsch vorwerfen.


Und das gleiche Spiel gilt eben bei Erfolgen auch. Der Spieler ohne Erfolg kann die tollsten Geschichten erzählen, aber der Raidleiter kann eben stets nur mutmaßen, ob sie stimmen. Er weiß es aber letztlich einfach nicht. Hat jedoch jemand den Erfolg, so liegt etwas handfestes vor.

Richtig: Der Erfolg kann auch vorhanden sein, obwohl der Spieler eine totale Gurke ist. Im Zweifel nimmt der Raidleiter dann aber eben auch den Spieler mit dem Erfolg.

Bewusstmachen der Verantwortung eines Raidleiters

Und an dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, was für einen Anspruch es überhaupt mit sich bringt einen Raid zu leiten. Viele vergessen das immer und klagen über ungerechte Anforderungen. Dabei wird total verkannt, was das eigentlich heißt: Einen Raid wirklich gut zu leiten. Das erfordert viele Eigenschaften, die man haben muss. Gedult, Bosskenntnisse, Fähigkeiten etwas zu führen und so weiter. So wird es auch als undankbar von Raidleitern empfunden, wenn immer nur gemeckert wird, wie ungerecht alles ist, aber selbst will dann keiner mal einen Raid leiten, um zu sehen, was das eigentlich bedeutet.

Klingt doch aber ganzschön blöd für Suchende, wie finde ich dann was?

Es gibt genügend Raidangebote. Und klar, wenn man selbst noch nichts im Raid bezwungen hat, dann muss man sich halt vielleicht auch mal damit abfinden, nicht mit der ersten Raidgruppe die komplette Instanz leer zu räumen und zwar in Rekordzeit. Andere haben sich auch hochgespielt.

Allein wenn sich alle zusammenfinden würden, die die Ansprüche als zu hoch empfinden, könnten darauf vermutlich 20.000 Anfängerraids enstehen. Nur macht das halt irgendwie keiner. Also ruhig mal selbst einfach einen Raid erstellen.

Man kann dann auch ruhig mitteilen, dass man nicht erfahren ist. Wenn das von Anfang an kommuniziert wird, dann dürfte sich daran auch keiner stören und jeder müsste wissen, was ihn erwartet. Man muss halt aber auch einfach mal über seinen Schatten springen und etwas tun.

Hauptanlaufpunkt bleiben für mich aber nach wie vor Gilden. Ja, heute ist Raiden sehr flexibel und man braucht nicht mehr unbedingt feste Gilden und feste Raidzeiten. Dennoch waren Raids eigentlich immer genau darauf ausgelegt und folglich kommt man mit Gilden immer noch am besten voran und mit dem meisten Spaß, da man die Leute dann auch kennt.

Hier gilt dann vor allem: Die eigenen Ansprüche an die Gilde klar formulieren (Was will ich raiden, wie will ich es raiden, wie soll die Gilde rein menschlich sein usw.), aber auch die Ansprüche der Gilde respektieren.

Was man noch tun kann: Man muss auf Stufe 100 nicht gleich in den ersten Raid stürmen wollen. Es gibt viel, was man erstmal tun kann, um sich vorzubereiten.

 

Hilfestellungen dazu findet ihr unter anderem hier auf der Seite.

Auf Verzauberungen, Glyphen, eine zweite Talentspezialisierung sowie Klassenkenntnisse sollte man achten. Denn auch so etwas sieht ein Raidleiter. Wenn er dort jemanden sieht, der vielleicht zur Hälfte grüne Ausrüstung hat, nur 2 Glyphen und vielleicht eine Verzauberung, dann wird er sich natürlich auch eher gegen so jemanden entscheiden.

Somit bleibt aus meiner Sicht zu sagen: Es wird hier mehr Drama gemacht, als tatsächlich vorhanden ist. Es gibt vielfältige Angebote und Möglichkeiten. Man muss sie nur wahrnehmen und vielleicht nicht mit der Erwartung starten, an einem Raidabend alles in der Tasche zu haben.


Kommentare: 2
  • #2

    Tristan (Montag, 25 April 2016 09:02)

    Vielen Dank für die "direkte und unverschönte" Erklärung bezüglich Raids und Anforderungen. Ich habe, vor ein paar Jahren, selber an Endcontent-Raids (ICC 25 HC vor Cata-Addon), bei einer "Top 2 Gilde" (mal Platz eins, mal Platz zwei auf dem Realm) teilgenommen und musste auch gewisse Anforderungen erfüllen.

    Jetzt nach ein paar Jahren des "Nicht-Spielens" und einem neuen Account, muss ich mich erst auch wieder in das Spiel einfinden. Es wirkt zwar am Anfang ein wenig frustrierend hier wieder einen Anschluss zu finden, aber es hat schon alles seinen Sinn. Auch ich habe schon einen GS von 675, aber Klassen- und Boss-Verständnis sind viel viel wichtiger. Ich spiele jetzt eine neue Klasse (zwar auch wieder Tank, aber statt W einen DK) in einer neuen Welt an Raids und DGs.
    Bevor ich mich auch nur in die Nähe eines Raids traue, werde ich meine Klasse auswendig lernen, bis ich diesen im Schlaf spielen kann und die Taktiken der Bosse studieren.

    Ich würde als Leiter, genauso wie oben beschrieben, aggieren.

    Beste Grüsse, Tristan

  • #1

    Lilulani (Samstag, 26 März 2016 00:12)

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