Über Nationalismus im 21. Jahrhundert

Der Nationalismus wähnt sich im Aufwind, diverse Wahlergebnisse sowie der Brexit würden dies beweisen. Ich möchte mich heute einmal grundsätzlich mit dem Begriff des Nationalismus aus meiner Sicht auseinandersetzen.

 

Was verstehe ich unter Nationalismus? Zunächst eine extrem hohe Identifikation mit dem "eigenen Land", der eigenen Kultur sowie der ihr eigenen Lebensweise (Werte) und Lebensausgestaltung. Klingt ja erstmal nicht sonderlich verwerflich, würde der Begriff für einige seiner angeblichen Vertreter eben auch so gelten, tut er aber nicht.

 

Warum? Weil diese Ideale verknüpft werden mit einem Überlegenheitsdenken. "Wir" sind besser, sind wichtiger als andere Menschen. "Wir" sind das besondere Volk, "unser" System ist über jeden Zweifel erhaben, "unsere" Werte sind herausstechend.

 

Viele heutige angebliche Anhänger des Nationalismus versuchen sich durch Abgrenzung zu profilieren. Schüren Ängste vor einer permanenten Bedrohung "ihrer" Kultur, "ihres Volkes, "ihrer" Identität.

 

Doch steigen wir ganz grundsätzlicher ein: Ist Nationalismus grundsätzlich schlecht? Eine klare Antwort fällt gerade deshalb schwer, weil es so viele unterschiedliche Selbstverständnisse des Begriffes gibt. Weil die Übergänge hin zum extrem rechten Rand fließend sind, die Vertreter selbst sich aber als Nationalisten, besorgte Bürger, Wertebewahrer oder Ähnliches ausgeben.

 

Gerade diese Vertreter sind oftmals nicht sonderlich intelligent mit ein paar Ausnahmen (die dann besonders gefährlich sind). Die weniger Intelligenten beleidigen wahllos, provozieren, diffamieren, führen verbale Kriegsfeldzüge ohne sinnvolle rationale Argumentationen. Diese sind dadurch aber eben auch sehr leicht zu entlarven und daher nicht eine so sonderlich große Bedrohung. Weil man sie eben auch nicht wirklich ernst nehmen kann, als vernunftbegabter Mensch.

 

Dabei kann ich in weiten Teilen sogar Verständnis aufbringen für Dinge wie den Wunsch der Wahrung der eigenen Lebensweise, der eigenen Kultur und der eigenen "Identität". Warum auch nicht? Daran ist schließlich nichts verwerflich. Diese Dinge werden aber derart instrumentalisiert und mit einer extrem rechten Ideologie verknüpft, welche jede ernsthafte Debatte über den Begriff des Nationalismus und wie wir als Gesellschaft zu ihm stehen, im Keim erstickt.

 

Auch hier zeigt sich die für mich bedeutenste Konstante in der Menschheit einmal mehr: Die Dummheit. Denn die, welche von sich selbst behaupten, sie wären die brennensten Nationalisten, stehen einer echten Auseinandersetzung mit dem Selbigen an meisten im Wege, weil sie die Haltung durch Extrempositionen selbst durch den Dreck ziehen. Selbst Schuld, würde ich mal sagen.

 

Und bleiben wir ruhig mal bei Extremen und Dummheit. Meist führt das eine nämlich zum anderen. Nehmen wir die Flüchtlingsströme, welche für so viele Debatten erst verantwortlich waren.

 

Man kann sich entscheiden zu sagen, "alle reinlassen" oder man kann den Gegenpart wählen, "Baut eine Mauer!". Eine Position dazwischen, für viele scheinbar undenkbar, ebenso auch für "brennende Nationalisten" oder dem Gegenstück auf linker Seite. Die dann nach dem Motto agieren, wer nicht augenblicklich bedingungslos alle Grenzen abschaffen möchte, ist ein Rassist.

 

Für die Rechten ist dagegen jeder gleich ein Kommunist, der keine Mauer errichten möchte. Es offenbart sich der Wahnsinn in diesen Gedankengängen und in der Debatte. Außer natürlich für die Dummen, auf welchem der Gedankengang basiert. Die packen lieber die nächste Keule aus und pöbeln rum.

 

Meine Position? Seine Wut gegen die Verursacher der Katastrophen richten, die sitzen in Brüssel, der City of London oder an der Wallstreet an der Börse, die sitzen in Unternehmen wie Microsoft, Blackrock, Apple und Monsanto. Nehmt doch mal Nestle und die Ölfirmen in den Blickpunkt, schaut euch die Melinda & Bill Gates-Stifung an.  Aber über solche Dinge wird in den medien natürlich kein Wirbel gemacht.

 

Die Dummen lassen sich mal wieder, wie Schäfchen, gegeneinander aufhetzen. Erst ausgebeutet und am Ende als Puffer vor dem Zorn der Menschen benutzt, dass würde wohl auf die meisten der Flüchtenden zutreffen.

 

Die Ursachen verhindern. Ein weltweiter Eintritt für Säkularisierung auf allen Ebenen, denn bei einer Sache sollten wir kein Blatt vor den Mund nehmen: Insbesondere der Islam braucht eine Aufklärung, eine Mäßigung. Und das muss man sagen dürfen, ohne als Rassist zu gelten. Aber auch in Deutschland ist eine echte Säkularisierung nach wie vor keine Realität, vielmehr feiert die Irrationalität an allen Ecken Jubeljahre.

 

Das wären erstmal grundsätzlich die entscheidenden Dinge. Da wird nun aber gesagt, ja aber die Probleme sind ja schon da. Und auch das ist richtig. Und vor diesen Problemen kann man sich nicht verschließen, indem man über keinerlei Konsequenzen nachdenkt "alle bedingungslos reinlassen" oder sich vor der Realität gänzlich abkapseln möchte "Lasst uns Mauern bauen".

 

Dem reagiert man viel mehr, indem man die Realität akzeptiert, Deutschland als ein zukünftiges Einwanderungsland wie eben z.B. Kanada sieht und entsprechende Regelungen schafft, um weiterhin Sicherheit und Wohlstand für jeden Menschen und nicht nur für eine bestimmte Gruppe von menschen zu gewährleisten.

 

Doch schlagen wir den Bogen zurück zum Nationalismus. Was ist denn "unsere" Kultur? Was sind denn "unsere" Werte? Was ist denn "unser" Ideal? Wer kann diese Fragen klar beantworten?

 

Was Deutschlands Kultur für mich ist? Eine Kultur, vor allem der Herzlichkeit, der Menschlichkeit. Eine Kultur der Offenheit, in jeder Hinsicht. Eine friedliche Kultur, eine Kultur, in die ein jeder Mensch sich einbringen kann und die auf den Grundgedanken unseres Grundgesetzes fußt.

 

Im Selbigen übrigens ist eine sogenannte "Leitkultur" sogar explizit untersagt, die kulturelle Vielfalt dagegen vorgeschrieben. Was sagt uns das über die Haltung vieler Nationalisten? Im Grunde wiederum meine bliebte Konstante: Dummheit. Denn die brennensten Nationalisten haben damit den Gegenstand ihrer eigenen Forderungen selbst auch nicht annähernd verstanden.

 

Sie haben nicht verstanden, was Kultur eigentlich ist und welchen Stellenwert die Kultur in Deutschland hat. Ebenso ist Kultur kein starres Konstrukt, welches völlig unabänderlich ist. Wäre ja auch ziemlich doof. Dann hätten z.B. Computerspiele und Ähnliches nie in den Status eines Kulturgutes aufsteigen können.

 

Gleichzeitig muss ich aber auch sagen: Na klar kann ich die Sorge verstehen, dass wir plötzlich sozusagen eine andere Wertevorstellung diktiert bekommen. Doch wer ist bestrebt in diesem Vorhaben? Einzig und allein religiöser Fanatismus oder aber Extremisten.

 

Ich verrate euch ein Geheimnis, meine lieben Nationalisten: Der Großteil der Menschen ist glücklich, wenn sie in Frieden und glücklich sowie frei ihr Leben können. Sie haben keine Lust auf erfundene Kulturkonflikte, auf die Errichtung von Mauern und gegenseitiger Ablehnung.

 

Für mich bedeutsame Werte sind die Freiheit, der Frieden, die Toleranz. Diese Werte werden natürlich ausgeschlossen von einem Islam, aber auch von einem Christentum. Der Unterschied beim Christentum ist lediglich, dass sie sich nicht mehr so ganz genau an ihre Vorgabe aus der Bibel halten, jedenfalls die meisten Menschen. Das hat der Islam noch vor sich, viele sind bereits soweit, andere dagegen nicht.

 

Viele Nationalisten täten einfach mal gut daran zu ergründen, was denn nun eigentlich eine "deutsche Kultur" ausmacht. Und oftmals werden sie feststellen, dass diese ganz erheblich von ihren Vorstellungen abweicht.

 

Und eine Sache will ich noch loswerden: Die Bewahrung der Identität und der Kultur sowie der Werte und ein Bekenntnis z.B. zur europäischen Union oder zu einer Weltgemeinschaft schließen sich eben Mitnichten aus.

 

Wenn eine Kultur auf dem Gedanken basiert, sie könne sich nur durch Abschottung aufrechterhalten und sich nur über diese Abschottung legitimieren kann, dann verdient eine solche Kultur vielleicht den Untergang, um Platz für Neues zu schaffen.

 

Also benutzt euren Kopf: Tretet lieber für eine weltweite Säkularisierung, eine Aufklärung 2.0 ein. Zeigt mit dem Finger endlich auf die Verursacher der Probleme und nicht auf die Leidtragenden, die dann noch von den Selbigen als Schild missbraucht werden.

 

Nicht für Abschottung, sondern für Gemeinsamkeit sollte eingetreten werden, denn "ein besseres Volk" gibt es nicht.

 

 

 

 

 

 

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