Wenn der Mensch nicht mehr mit dem technischen Fortschritt mithalten kann

Heute möchte ich neben meiner Freude über das Mount von Elegon mich vor allem wieder einmal über ein ernsteres Thema unterhalten, was mir vermehrt in den letzten Tagen wieder bewusst gemacht wurde und es ist ein Thema, mit welchem wir uns definitiv in der Zukunft konfrontiert werden sehen, daran habe ich keinerlei Zweifel. Es geht um "technologischen Fortschritt."

 

Wie ihr wisst, werde ich bei solchen "philosophischen Themen" gerne sehr ausufernd, weil es einfach nötig ist. Dies also als Warnung vorweg.


Wie sehe ich Technologie

Ich sehe Technologie als ein Werkzeug, ein Mittel für einen Zweck. So ist auch ein Hammer eine Technologie. Sie kann eingesetzt werden um Nägel in Wände zu schlagen und etwas zu erschaffen oder aber ich kann anderen Menschen damit den Kopf einschlagen.

 

Technologie ist also nicht pauschal gut oder schlecht. So einfach ist es fast nie im Leben. Klare Unterteilungen in "gut" und "böse" sind nahezu immer irrefühend. Ich unterstelle einmal, das heute den allermeisten Menschen in der Welt durchaus bewusst ist, dass man den Hammer nicht dazu benutzen sollte, um auf andere einzuschlagen. Und für den Rest regeln das Gesetze.

 

Doch warum ist es den Menschen heute bewusst? Weil sie sich in langen, dunklen Phasen der Menschheitsgeschichte bewusst wurden, dass es nicht zielführend ist, sich gegenseitig die Schädel zu zertrümmern. Ein urzeitlicher Höhlenmensch hätte ohne Bedenken den Hammer als Waffe eingesetzt. Und dennoch gibt es auch heute Krieg und bewaffnete Konflikte.

 

Worauf ich hinaus will: Das Bewusstsein, dass ein Hammer ein Werkzeug ist, mit welchem Dinge erschaffen werden können und diesm dem Zerstören vorzuziehen ist, musste erst wachsen. Es musste sich gegen Widerstände durchsetzen. Es musste reifen und genährt werden. Dieses Verständnis war nicht einfach urplötzlich vorhanden.

 

Heute sind wir wesentlich weiter in der Entwicklung und haben weitaus mächtigere Technologien als Hämmer. Über Jahrtausende der Entwicklung haben Menschen vor allem auch die Kriegstechnologie zu einem Höhepunkt gebracht.

 

So kann ich mit einem Hammer keine Gefahr für die Spezies Mensch werden. Mit einer Atombombe aber bin ich eine Gefahr für die Spezies Mensch. Doch das Beispiel Atombombe ist dabei nur die Spitze des Eisberges.

 

Mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir enorme technologische Fortschritte mache und die Technologien unseren Alltag immer mehr durchdringen. Dieser Blog ist ein Zeugnis dessen. Computer, Smartphones, Internet.

 

Alle Facetten des Lebens werden immer mehr von Technologien durchdrungen, alles soll Digital werden. Pessimistische Verschwörungstheorien gehen davon aus, dass der Mensch auf lange Sicht ein "Opfer" seiner eigenen Technologie wird.

 

Das soll heißen, dass durch die zunehmende Verschmelzung von Technologie das Menschliche bzw. das, was einen Menschen ausmacht immer mehr von der Bildfläche verschwindet. Es ist klar, worin dies gipfelt: Künstliche Intelligenz und Cyborgs.

 

Natürlich klingt das stark nach Sience-Fiction, tatsächlich stehen wir aber genau am Startpunkt dieser Problematiken. Cyborgs gibt es in unserer Zeit immer häufiger, mechanisch ersetzte Körperteile, implementierte Chips zur Körperüberwachung. Immer komptaktere Technologien, welche buchstäblich immer mehr "mit dem Menschen verschmelzen".

 

Die Verschwörungstheorie besagt demnach, dass der technologische Fortschritt selbst quasi ein Teil der evolutionären Entwicklung wird. Wir werden uns durch die Technologie, vor allem durch Entwicklung künstlicher Intelligenz, irgendwann vom "Mensch sein" lösen und quasi zu etwas Neuem, etwas anderem werden. In etwas, rein auf die Nützlichkeit und Effektivität reduziert, besseres.

 

Klingt nach einer absurden Vorstellung?

 

Im ersten Moment ja:

 

"Der Mensch soll sich in höhere halb organische/halbmechanische Wesen mit künstlicher Intelligenz entwickeln? Absurd!"

 

Aber im zweiten Moment denkt man nach. Denn tatsächlich stellt das für mich eine reale Gefahr da. So liegt es für mich ganz eindeutig auf der Hand, dass soziale Entwicklungen nicht mehr mit dem technologischen Fortschritt mithalten könnenn.

 

Nehmen wir das Beispiel Überwachung: Es war überhaupt keine Zeit vorhanden, zu debattieren über das "Wie, warum, ob und weshalb". Diese Fragen stellten sich überhaupt nicht mehr. Die Fakten waren bereits von der Technologie geschaffen. Darüber gab es keine Abstimmungen, darüber gab es keine Beschlüsse, ob die Menschen dies wollen.

 

Auch gibt es dort keinen eindeutig "Bösen". Unternehmen haben einfach nur das getan, was sie tun sollen: Technologien entwickelt und weiterentwickelt. Für moralische Fragen ist in Unternehmens- und Konzernstrukturen kein Platz. Geht auch überhaupt nicht, da die konzerninternen Strukturen greifen. Ein Konzernchef kann gerne etwas ändern wollen. Führt das aber zu weniger Gewinn, dann wird der halt ganz einfach abgesägt. Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein von Menschen geschaffenes System den Menschen selbst seiner Handlungsspielräume beraubt.

 

Gerade auch bei diesem Thema wird eigentlich die Relevanz des Themas deutlich. Denn man kann sich ja nicht einfach hinstellen und sagen: "Nein, nicht mit mir, ich entziehe mich dem." Denn dann müsste man im Grunde sein Haus abreisen, Handy zertreten und in eine Höhle ziehen. Bankkonto wäre auch nicht mehr drin.

 

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Was ist mit Arbeitsplätzen?

 

Wenn ich einen Roboter habe, der in 1 Minute 50 Kisten schleppen kann, dann kann dort kein menschlicher Arbeiter mithalten. Es wird aber nicht gefragt, ob der Roboter überhaupt entwickelt werden soll. Diese Frage stellt sich überhaupt nicht in der systeminternen Strukturierung. Der Roboter wird entwickelt. Er wird einfach da sein. Noch bevor gesellschaftliche Debatten darüber geführt werden können.

 

Die Gesellschaft kann nur noch reagieren, nicht aber mehr steuern. Und so trifft das auch auf die Politiker zu. Die Technologie schafft immer Neues, der Gesellschaft bleibt nur noch das Reagieren übrig, die Anpassung.

 

Aber wie soll man sich an etwas anpassen, was auf lange Sicht nur effektiver & effizienter als der Mensch selbst sein kann? Ein Mensch kann niemals effizienter & effektiver als eine Maschine sein. Das muss er auch nicht. Nur stellen sich diese Fragen wiegesagt nicht. Keiner stellt die Frage, ob ein Mensch nicht effektiver als eine Maschine sein muss.

 

Die Maschine wird entwickelt und ist da und natürlich ist sie dann effektiver als der Mensch und der Mensch hat das Nachsehen. Und ja, letztlich halte ich es für durchaus realistisch, dass es eigentlich nur in der Konsequenz zu immer größerer Annäherung von Mensch und Technologie kommt, bis hin zur Verschmelzung oder sollte man es Assimilierung nennen?

 

Hier verweise ich auf die -für meine Begriffe- Pflichtserie für alle: Star Trek. In Star Trek gibt es nämlich ziemlich genau das: Die Borg. Sie sind den Menschen in allem überlegen.

 

Jedoch fehlt ihrer Existenz einen Sinn. Was letztlich auch als ihr größter Schwachpunkt offenbart in der Serie. Es geht um die Frage: Was macht den Menschen aus? Was macht das Leben aus? Ist Kunst nützlich? Ist Musik effizient? Gemeinsam Lachen, Liebe, Freundschaft, Gefühle im Allgemeinen. Das definiert das Menschliche.

 

Ohne dies, verliert jedwede Nützlichkeit ihren Sinn. Nützlichkeit der Nützlichkeit wegen ist ein innerer Widerspruch. Denn auch Nützlichkeit muss letztlich erst als solche festgelegt werden, von Ideen, von Gefühlen und Empfindungen. Von einer Vorstellung, warum genau das nun nützlich sein soll.

 

Das Menschliche beschränkt uns dahingehend, dass wir niemals so effizient wie eine Maschine sein können. Aber dafür haben wir etwas, was eine Maschine (noch) nicht hat: Wir können Fragen nach dem Sinn stellen. Ein Computer existiert einfach und führt die Aufgaben aus, die er ausführen soll.

 

Ein Computer fragt nicht, warum er diese Aufgabe ausführen soll. Der Computer bekommt also überhaupt erst durch das Menschliche seinen Sinn verliehen. Ohne das Menschliche ist der Computer nichts wert.

 

Was aber, wenn der Computer an einen Punkt ankommt, der ihm fragen ermöglicht? Was, wenn die künstlische Intelligenz vor dem Durchbruch steht? Was dann? Bereits die falsche Frage, diese Frage muss jetzt, hier und jetzt gestellt werden und zwar bevor es soweit ist.

 

Wieder verweise ich auf Star Trek und zwar auf Commander Data, gespielt von Brent Spiner. In Star Trek ist dieser ein Android, künstliche Intelligenz. Im Verlauf der gesamten Serie wird Data immer wieder vor die hier beschriebene Problematik gestellt: Den Sinn seiner Existenz.

 

Doch der Ausweg aus dieser Sinnkrise erscheint paradox: Der in sämtlichen Belangen überlegene Data, sei es Wissen, Kraft oder welche Fähigkeiten auch immer, strebt von nun an danach menschlich zu werden. Er schöpft seinen Sinn aus dem Wunsch, menschlich(er) zu werden.

 

Doch auch Data wurde nicht gefragt, ob er "erschaffen" worden wollte. Es wurde ganz einfach getan. In einem Teil der Serie soll Data auf ein anderes Raumschiff "verlegt" werden und wird dabei als Maschine kategorisiert. Das Ganze hat einen Rechtsstreit zur Folge, indem Data als eigenständige Spezies definiert wird.

 

Wenn es also zu diesem Thema kommt, so muss man sich dessen bewusst sein: Man spielt Gott (nein, ich bin nicht gläubig). Ganz ähnliche Problematiken werden sich im Bereich der Biotechnologie stellen: Optimale Babys, gezüchtete Organe.

 

Die Menschheit läuft in große Gefahr, dass die Technologie immer wieder den ersten Schritt macht und die Menschen hinterher nur noch reagieren können. Dann aber ist es schon zu spät, dann ist es bereits unumkehrbare Realität.

 

Eine einmal geschaffene künstliche Intelligenz ist eine Intelligenz. Dort kann man nicht einfach einen Schalter betätigen und alles ist wieder gut. "Ich denke, also bin ich." ist in diesem Zuge wohl als eine fundamentale Wahrheit festzuhalten.

 

Hat mit mir nichts zu tun

 

Eben doch! Die Ebenen beginnen sich zu verschieben. Ein Hammer ist nichts als ein Stein mit Holz ohne Menschen. Wenn heute der Strom global ausfällt, dann ist der Mensch nichts.

 

Menschen werden immer abhängiger von Technologien und verlieren zunehmend die Kontrolle darüber. Nehmen wir die Börse als Beispiel. Dort wird nicht mehr gefragt, ob es in Ordnung ist hier und dort zu investieren. Es geschieht einfach! Computerprogramme und Software entscheidet innerhalb von Sekundenbruchteilen.

 

Da ist oftmals nicht einmal Böswilligkeit dabei: Der Mensch vor dem Computer bedient eben "einfach nur" seine Software. Da ist kein Platz für die Fragen nach dem Warum.

 

Wir Menschen stellen uns diese Fragen zu wenig. Unsere eigens geschaffenen Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme hindern uns daran, die Ungleichgewichte auf der Welt bewirken den Rest.

 

Da es sich hier ja in erster Linie um eine WoW-Seite handelt, will ich zum Schluss noch einmal ein paar Beispiele für diese Negativentwicklung in WoW aufzeigen. Denn auch dort zeichnet sich diese Entwicklung im Sandkastenmodell bereits ab.

 

Beispiel Crossrealm:

 

Crossrealm ist da, entsprechende Addons zum schnellen Realmhopping ebenfalls. Die Frage nach dem Richtig oder Falsch wurde überhaupt nicht gestellt. Sie stellt sich auch jetzt nicht. Es ist nun ganz einfach so! Es bleibt nur noch übrig sich zu fügen oder zu gehen (was im Falle von WoW glücklicherweise geht, in der echten Welt leider nicht).

 

Beispiel Votingsystem im Forum:

 

Auch dieses ist einfach da. Es wird benutzt werden, ob man es will oder nicht. Und es wird missbraucht werden, da viele Menschen nicht intelligent genug für einen richtigen Umgang dafür sind. Siehe z.B. meinen persönlichen Nazidownvoter. Solche Menschen sind leider Musterbeispiele für mangelnde Intelligenz und dafür, dass Technologie eher negative Auswirkungen auf das menschliche Miteinander hat, wenn diese nicht damit umgehen können. Einem Affen sollte man keine Pistole geben.

 

Fazit:

 

Was bleibt also zu sagen? Ich bin mir sehr sicher, dass diese und ähnliche Themen die Welt (hoffentlich) in Zukunft verstärkt beschäftigen werden. Falls das nicht der Fall sein sollte, dann können wir meines Erachtens "Gute Nacht" sagen, denn eine Menschheit die sich aufhört die Fragen nach dem "Warum?" zu stellen, ist zum an die Wand fahren verdammt.

 

Nette Analogie: Man stelle sich einen dieser typischen Smartphonebesitzer vor, die in völliger Vertiefung direkt gegen den nächsten Pfosten rennen. Auch wieder ein Sandkastenmodell dessen, was ich meine.

 

Wir müssen uns damit beschäftigen, ob wir alles tun, alles entwickeln was wir tun & entwicklen können. Wir müssen uns Fragen, ob mehr, schneller, höher und weiter auf lange Sicht noch eine adäquate Antwort auf die Probleme sein kann, die da kommen. Die Menschlichkeit muss das Szepter wieder in die Hand nehmen und lenken, nicht andersherum.

 

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.


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