Ein Kirschbaum offenbart tausend Wahrheiten

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Heute mal ein ernsthafteres Thema, welches nichts mit WoW zu tun hat. Gestern Abend bzw. Nacht hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit jemandem aus meiner Kontaktliste, quasi über "Gott und die Welt". Keine Ahnung ob diese Person hier liest, jedenfalls wurde der folgende Beitrag durch diese Person inspiriert.

 

Es wird ein längerer Beitrag, es geht dabei vor allem um grundsätzliche Weltanschauungen.


Ein Kirschbaum enthält tausend Wahrheiten. Eine davon ist die Schönheit und Perfektion der Natur. Ein Kirschblaum in voller Blüte ist in seiner Schönheit derart intensiv und einvernehmend. Nicht umsonst ist die Kirschblüte eines der wichtigsten Symbole der japanischen Kultur, wo sie unter anderem neben Schönheit auch für Vergänglichkeit und Aufbruch steht.

 

In meinem Lieblings-Anime One Piece vom Erschaffer Eiichirō Oda bekommt die Kirschblüte daher auch mit der Geschichte rund um den kleinen Schiffsarzt Chopper eine ganz zentrale symbolische Bedeutung.

 

Ein unheilbar kranker Mensch erblickt den Ausbrauch der Kirschblüte und wird auf wundersame Weile geheilt. Das Wunder der Kirschblüten. Chopper fußt unter anderem auch darauf seinen eigenen Traum, alle Krankheiten der Welt heilen können zu wollen.

 

Kein Kirschbaum, aber eben doch ein Baum ist ebenso ein zentrales Symbol im Meisterwerk "Jakob der Lügner" von Jurek Becker. "Ich höre schon alle sagen, ein Baum, was ist das schon..." ist für mich wohl einer der stärksten Einstiege in ein Buch.

 

Der Baum ist eben nicht nur ein Baum. Er steht für Beständigkeit und Schönheit in einer verkommenden Welt. Der Baum steht ebenso für Sicherheit, an einen Baum kann man sich anlehnen und an ihm Halt finden. Ein Baum steht für Geborgenheit unter seiner mächtigen Baumkrone. Der Baum steht für Leben, Liebe aber auch für Tod.


Warum finde ich den Kirschbaum derzeit wieder bedeutsam?

 

Wie aber komme ich jetzt auf den Kirschbaum und warum. Vor allem im Zuge der Debatten über Nachhaltigkeit, Klimawandel und Effizienzdenken. Wir sprechen von globaler Erwärmung, wir sprechen von Nachhaltigkeit, von Verzicht, von weniger Konsum und von Sparsamkeit.

 

Die ganze Debatte ist geprägt davon. Wir müssen weniger Fleisch essen. Wir müssen weniger Auto fahren. Wir müssen weniger CO2 verbrauchen. Wir müssen weniger von diesem und jenem tun. Immer ist der Verzicht ganz zentral in der Debatte.

 

Der Grundtenor dabei auch: Wir sind zu viele Menschen und werden immernoch mehr. Mehr Menschen seien etwas schlechtes. Es geht immer um das Sparen von Ressourcen. Eine neue Welle des Ökoidealismus rollt an. Doch er stellt die falschen Grundprämissen auf.

 

Kommen wir zurück auf den Kirschbaum. Ein Kirschbaum ist nicht effizient. Aber er ist effektiv. Nicht sparsam, aber dennoch erwächst etwas Größeres aus ihm. Der Kirschbaum ist für sich selbst ein perfekter Zyklus des Lebens und auf der anderen Seite wieder harmonisch in den Gesamtzyklus der Natur eingebunden.

 

Vom Kirschbaum geht Nichts verloren. Selbst wenn er stirbt, so erwächst aus ihm neuer Lebensraum für viele andere Tiere und Pflanzen sowie Insekten. Ähnlich wie bei Energie finden in der Natur nur Umwandlungsprozesse statt. Es ist nicht plötzlich weniger Energie da, sie wird nur umgewandelt. Auch der Baum wird lediglich umgewandelt zu Neuem. Das ist Effektivität.

 

Die Welt peitscht die Wirtschaft hin zum Einsparen, die Bürger*Innen zum Verzicht. Neugeborenen sagen wir quasi in das Gesicht:

 

"Es ist schlecht, das du geboren bist, denn Ressourcen sind knapp und jeder zusätzliche Mensch macht Ressourcen noch knapper."

 

Genau das darf aber nicht die Grundeinstellung sein. Das Ziel darf nicht darin bestehen, das Unvermeidliche nur hinauszuzögern. In der Politikwissenschaft spricht man auch vom "zero-sum-Game". Quasi ein großer Kuchen und alle versuchen ein Stück vom Kuchen abzubekommen, bis er leer ist.

 

Warum aber wird nicht versucht den Konsum des Kuchens nicht nur zu verringern, sondern aus dem einen Kuchen zwei Kuchen zu machen? Geht nicht? Geht doch! Technologie eröffnet uns Möglichkeiten, der Kirschbaum ist unser Vorbild.

 

Man kann die Meere jetzt vom Plastik befreien und damit die Katastrophe um 20 Jahre aufschieben. Man kann aber auch Produkte designen, für die es völlig unerheblich ist, an welchem Ort sie landen, da sie zu 100 % wiederverwertbar sind, sodass man sie quasi essen könnte ohne Probleme oder aber sie verroten vollständig. Das muss das Ziel sein.

 

Es muss nicht an Technologie gearbeitet werden, die einfach nur Ressourcen vermeidet. Die technologische Entwicklung muss so ausgerichtet werden, dass sich die Problematik des Ressourcenverbrauchs erst überhaupt nicht stellt, da dieser Begriff in seiner Existenz ganz einfach eliminiert wird.

 

Das gleiche gilt z.B. auch für die CO2 - Debatte. Da wird immer von Co2 neutral gesprochen. Das ist völlig sinnfrei, ein Mensch kann nicht CO2-neutral sein, denn dann müsste er seine eigene Existenz beenden. Und das ist schließlich auch der Tenor in der Debatte:

 

"Jeder zusätzliche Mensch ist schlecht, da er belastend ist."

 

Nach dieser Perspektive möchte ich die Zukunft nicht ausrichten. Ein neuer Mensch muss viel mehr zu etwas Begrüßenswertem werden. Dazu brauchen wir den nächsten großen Schritt, die nächste Revolution in der Industrialisierung.

 

Produzieren ohne Abfall. Wie der Kirschbaum. Auch dieser besitzt keine Definition von Abfall. Dieser Begriff existiert nicht. Eine steigenden Überbevölkerung kann nicht durch ein System begegnet werden, was immer noch auf Abnutzung, Verbrauch und auf der Erzeugung von Abfall basiert.

 

Doch diese Gedankengänge kommen in der Debatte kaum zu Wort. Die Bevölkerungen werden konditioniert. Dauerkrise, Dauerverzicht, Dauerprobleme. Überall sei zu wenig vorhanden. Es gäbe keine Lösungen, alles wäre alternativlos.

 

Großer, riesengroßer Unsinn. Es fehlt wie so oft wieder einmal nur an Hirn. An Intelligenz. Die Menschheit ist derzeit einfach noch zu blöd, um einfach nur ihre mittlerweile herausragende Technologie einfach mal zu nutzen, um die Natur zu kopieren.

 

Und nur auf diesem Wege wird letztlich ein wirklich langfristiges Überleben -ohne Verzicht- in einer lebenswerten Welt möglich. Leider brauchten große Ideen immer eine lange Zeit bis zur ihrer Durchsetzung. Und stets wurde es vorher immer erst erheblich schlimmer. Es brauchte zwei Weltkriege, die Menschen begreifen zu lassen, dass es vielleicht doch nicht so klug ist, sich gegenseitig die Birne einzuschlagen.

 

Auch dieses mal wird es letztlich erst wieder schlimmer werden. Und es wird viel zerstört werden. Es wird viel menschliches Leid, als auch großes Leid in der Natur selbst geben. Aber ich bin auch hier überzeugt, dass sich am Ende die kleine Stimme des Intellekts durchsetzen wird, wie Freud schon immer sagte.

 

Gegen alle Widerstände, gegen alle Rückständigkeit und gegen alle "Geht nicht-Sager*Innen". Am Ende wird sich auch hier wieder die Intelligenz in Form neuer Technologie durchsetzen.

 

Diese kann die Rettung sein, nicht die Politik, nicht der Verzicht. Ein großes Problem steht dem ganzen natürlich im Weg: Das Wirtschaftsystem. Viele Teile der Ökonomie haben kein Interesse an Produkten, welche entweder "ewigen Bestand" besitzen oder zu 100 % wiederverwertbar sind. Unser System basiert derzeit nämlich nicht auf einem Kreislauf, sondern auf Wachstum auf Kosten anderer.

 

Wir haben keine zyklischen Mechanismen, sondern lineare. Auch hier braucht es Vorreiter in der Wirtschaft. Leute die Kapital haben und diese innovativen Technologien vorantreiben. Diese Leute haben es in der Hand. Und die Menschen haben es in der Hand auf diese Leute Druck auszuüben.

 

In diesem Sinne: Gegen Verzicht, für die Kirschblüten!


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