Über LFR-Spieler

Huhu zusammen, ich möchte heute auf einen Kommentar zu einem meiner letzten Blogposts eingehen, wo es darum ging, was einen guten Spieler ausmacht. Der Artikel findet sich hier.

 

Dort habe ich u.a. folgende Antwort bekommen:

 

Also Shaila, irgendwie werde ich aus dir nicht schlau. Einerseits schreibst du so schöne Beiträge wie diesen hier oder auch diesen wirklich tollen Anfängerguide im Forum - andererseits habe ich manchmal den Eindruck, dass du von Anfängern bzw. LFR-Spielern eigentlich nicht wirklich viel hältst und nicht auch mal zugestehen kannst, dass es Spieler gibt, die möglicherweise nicht so gut spielen (können) - aber sich dennoch Mühe geben und dafür natürlich auch in irgendeiner Weise belohnt werden möchten. Ich bin LFR-Spieler und versuche mein Bestes zu geben (was nicht immer ausreicht) und versuche ebenfalls - wie deine Nachtelfe - meinen Mitspielern im LFR zu helfen und sie zu "beschützen". Das klappt leider nicht immer, aber dennoch denke ich, dass auch ich - meinen Fähigkeiten entsprechend - Stärke und Mut zeige. Es ist irgendwie demütigend, wenn das ständig abwertend gesehen wird. Trotzdem halte ich dich für eine Berreicherung im Forum und ich hoffe, du bleibst so wie du bist und schreibst auch weiterhin das, was du denkst. Auch wenn ich häufig nicht deine Meinung teile, gefällt mir deine Authentizität dennoch.

 

Und ich habe das Gefühl, dass ich etwas umfangreicher darauf eingehen sollte, da ich mir sehr wohl bewusst bin, dass ich mir mit der LFR-Debatte schon viele, viele Feinde geschaffen habe, wovon ich mich jedoch nicht verbiegen lassen.

 

Die grundsätzliche Unterscheidung:

 

Was leider oft bei solchen Diskussionen unterschlagen wird oder auch einfach nicht von meiner Seite aus (und der Seite anderer) deutlich gemacht wird ist, dass es einen grundsätzlichen Unterschied bedeutet, ob man über den LFR als Feature spricht oder aber über die Leute, welche ihn besuchen. Bei Ersterem diskutiert man erst einmal über einen Inhalt, so als würde man quasi über Haustierkämpfe diskutieren.

 

Wenn man aber im Umkehrschluss über Haustierkämpfe reden würde, so redet man nicht automatisch über die Spieler, welche u.a. Haustierkämpfe spielen. Diese Unterscheidung ist enorm wichtig für mich und es wird später noch klar werden, warum.

 

Wie sehe ich den LFR-Spieler?

 

Die LFR-Spieler sehe ich absolut gleichberechtigt wie alle anderen Spieler auch. Sie spielen ihr Spiel, wie es ihnen gefällt, andere tun es auf andere Weise. Daran ist Nichts falsch. Ich kann LFR-Spielern ja wohl schlecht vorwerfen, dass sie in den LFR gehen.

 

Auch die verschiedenen Beweggründe dafür kann ich durchaus nachvollziehen und ich finde sie verständlich: Zu wenig Zeit, keine Lust auf das organisierte Raiden, das Gefühl, bei normalen Raids (oder höher) nicht mithalten zu können. Es gibt viele Gründe, die da immer genannt werden. Es ist mir wichtig klar zu machen, dass ich diese Gründe voll und Ganz nachvollziehen kann.

 

Was ich aber tue ist, diese rein individuelle Ebene, auf welcher man sich dann bewegt (also z.B. warum ICH den LFR besuche, warum ICH zu wenig Zeit habe usw.) und die allgemeine Ebene klar zu trennen.

 

Wenn ich also den LFR kritisieren will, dann will ich nicht die Menschen kritisieren, welche ihn besuchen, sondern eben das allgemeine Element/Feature selbst, also den LFR. Ich sehe meine Kritiken an dem LFR also völlig entkoppelt von den Leuten, welche ihn besuchen.

 

So käme es mir niemals in den Sinn, die Person X dafür zu kritisieren, dass sie in den LFR geht. Dieser ist ja einfach vorhanden und natürlich wird er dann auch genutzt, das kann man also keinem vorwerfen.

 

Was ist die Kritik am LFR?

 

Meine Kritik am LFR sind nicht die Spieler, welche ihn besuchen. Meine Kritik ist dafür viel zu grundsätzlich und allgemein. Im Grunde habe ich drei Hauptkritikpunkte am LFR:

 

- Er ist anonym und er benötigt weitestgehend keine Kommunikation & Zusammenspiel

- Er trivialisiert andere Raids & Content außerhalb von Raids

- Er belohnt das Wipen mit einer Stärkung der Gruppe

 

Erster Punkt ist recht eindeutig: Beim LFR wird man mit 24 anderen Leuten, welche man nicht kennt in eine Gruppe geworfen. Es erfordert auch keine Absprachen bei den Bossen und selbst wenn welche erfolgen sollten, so verpuffen diese, weil sich keiner daran hält, was maßgeblich auch durch den dritten Spiegelstrich hervorgerufen wird.

 

Es gibt keine Kommunikation, es ist eine reine Zweckzusammenkunft. Und dies finde ich nicht gut für ein MMORPG in meinem Verständnis. Nein, dafür würde ich mir viel mehr ein Miteinander wünschen, welches das Vorankommen erst wirklich möglich macht. Doch dies leistet der LFR nicht.

 

Und er kann es auch nicht leisten, weshalb er so gestaltet wurde, wie er jetzt ist. Der LFR in seiner derzeitigen Struktur (was wieder zu Spiegelstrich 3 führt), ist nicht in der Lage, Notwendigkeit zum Zusammenspiel und Kommunikation zu schaffen.

 

Denn der Spieler weiß ja: Wenn die Gruppe besiegt wird, dann wird die Gruppe stärker. Das ist eine Philosophie, welche ich einfach nicht teilen kann. Denn in der Konsequenz bedeutet das doch letztlich: Es ist egal, wie die Gruppe sich verhalten wird, irgendwann wird die Gruppe so mächtig werden, dass sie den Boss besiegen wird, selbst wenn dann nur 10 Leute mitspielen.

 

Das ist eine ganz zentrale Philosophie, die mich am LFR stört. Die Gruppe legt Bosse bei Versagen nicht etwa irgendwann durch einen Lerneffekt und das Ausbessern von zuvor gemachten Fehlern, sondern weil das Spiel ihnen irgendwann den Erfolg einfach schenkt.

 

Und ein geschenkter Erfolg, ist kein Erfolg. Diese Philosophie hat ebenso verheerende Folgen: Lernkurven gibt es dort nicht, Spieler treffen im Normal-Mode dann erstmals auf echte Schwierigkeitsgrade, die s zwingend erforderlich machen die eigenen Fehler auszubessern, denn dort gibt es keinen Stärkungsbuff.

 

Der LFR selbst ist darüber hinaus auch einfach noch ein zusätzlicher Modi von insgesamt vier: Also viel zu viele. Eine Menge Leute sagen sich nach dem LFR: Okay, es ist Schluss. Einige davon, weil es Gründe wie "Keine Zeit" gibt. Keine Frage. Viele aber auch, weil es nicht reizvoll ist, exakt die gleichen Bosse noch in drei anderen Schwierigkeitsgraden zu spielen.

 

Das ist und bleibt nun einmal ein grundlegendes Problem des LFR: Durch seine Existenz macht der die anderen Modi ein ganzes Stück weit unattraktiver, da dann dort das Gefühl vermittelt wird, etwas einfach nur zu wiederholen. Mehr noch, man wiederholt es nicht nur, man spielt etwas vermeintlich unnötig schwer, was man direkt daneben mit Leichtigkeit haben könnte.

 

Und das führt auch zum wohl wichtigsten Punkt: Der LFR trivialisiert. Nicht nur Raids, sondern er trivialisiert das gesamte Spiel. Warum tut er das?

 

Ein Grund habe ich eben schon genannt, Bosse fühlen sich wie Wiederholungen an. Der andere Grund sind die epischen Ausrüstungen. Wenn es im LFR nun also so richtig tolle Ausrüstung gibt, so kann es die eben nicht mehr in 5er Hero-Dungeons geben.

 

Dadurch gibt es in der Konsequenz auch weniger 5er-Dungeons, da diese durch den LFR ersetzt werden. Wenn im LFR die tollen Items abfallen, dann kann man sich die aufwendige Ruffraktion sparen, wo es am Ende eine tolle Belohnung gibt. Denn im LFR gibt es mit einem Bruchteil des Aufwands viel bessere Ausrüstung.

 

Somit trivialisiert der LFR durch seine Existenz und vor allem durch seine Belohnungen einen großen Teil des Contents außerhalb des LFRs. Anderer Content leidet unter ihm. Denn ich hätte gerne wieder aufwendige Ruffraktionen, wo es nicht nur das 500. Pet gibt. Und ich hätte auch gerne wieder mehr 5er-Heros, die eine gewisse Herausforderung darstellen.

 

Doch der LFR läuft diesen Wünschen völlig zuwider.

 

Und was können die LFR-Spieler dafür?

 

Nichts! Das ist ja gerade der Punkt. Die Kritik resultiert nicht daraus, dass  ich selbst sauer bin, weil der Spieler X jetzt epische Beute im LFR bekommt. Sie resultiert daraus, das in einem MMORPG ja automatisch alle Spieler von so etwas beeinflusst werden. Der LFR-Spieler ist ja keine isolierte Einheit ohne Auswirkungen auf den Rest des Spieles, selbst wenn er das gerne so hätte.

 

Die Kritik resultiert daraus, dass für mich selbst und andere anderer Content trivialisiert wird. Das ist der maßgebliche Punkt. Und das führt zu einem ganz verzwickten Punkt in der Debatte:

 

Denn viele LFR-Spieler sehen mich an diesem Punkt:

 

Als Teil von jener Kraft, die stets das Böse will....

 

...und stets das Gute schafft... um das Zitat aus Faust zu vollenden.

 

Anders gesagt: Viele LFR-Spieler sehen mich als das Böse, was ihnen etwas wegnehmen will. Viel mehr will ich dem Spiel aber etwas zurückgeben, was es verloren hat. Ich will den LFR ja nicht entwerten oder gar abschaffen, einzig und alleine aus dem Zweck, den LFR-Spielern einen auszuwischen.

 

Nein, viel mehr will ich ihnen dafür etwas viel Besseres geben. Mehr Beschäftigung in der Außenwelt, stimmige 5er Dungeons, tolle Ruffraktionen mit viel Beschäftigung, wie zum Beispiel tägliche Quests. Stimmige Berufe. All diese Dinge haben über die Jahre enorm gelitten, da es nicht möglich war, sie mit guten Belohnungen zu versehen, da es diese ja im LFR gibt.

 

Bis Cataclysm kam dieses Spiel ohne den LFR aus und die Leute hatten immer genug zu tun. Und es gibt auch genug Möglichkeiten in diesem Spiel, sich zu beschäftigen. Aber das geht nun eben nicht mehr ab dem Punkt, an dem man mit diesen Dingen den Spieler nicht mehr reizen kann, da es keine Belohnungen mehr gibt.

 

Ich will wieder weg von "Raid or die". Ich will, dass Spieler anstelle des LFRs wieder aufwendige Questreihen mit tollen Belohnungen am Ende bekommen. Vorquests, Klassenquests. Ich will wieder ein komplexeres und detailreicheres Berufesystem, wieder mehr Rollenspielelemente.

 

Ich will, dass die Welt sich nicht mehr wie jetzt um zwei Punkte dreht: Garnison & Raids. Und auch wenn viele die Ansicht nicht teilen: Maßgebliche Faktoren, welche ganu diese Fixierung bewirken sind nun einmal der LFR bzw. die Garnison. Die Garnison ist im Grunde "der LFR auf die Spitze getrieben". Man bekommt dort Beute on mass und daher muss man auch sonst nicht mehr viel tun für Charakterprogression.

 

Jeder muss alles sehen

 

Und diesen Überlegungen steht eigentlich nur eine maßgebliche Philosophie im weg: Jeder muss alles sehen. Ich stelle diese Denkweise grundsätzlich in Frage. Spiele wie WoW, nein Spiele generell können nach diesem Prinzip nicht langfristig überleben.

 

Wenn jeder die Karotte vor der Nase abbeisen kann, wozu spielt man dann noch? Und an diesem Punkt kommt WoW mittlerweile an. Es riskiert, von sich selbst überholt zu werden. Deswegen muss diese grundsätzliche Ausrichtung überdacht werden.

 

Über viele Jahre hinweg hat die Spieler es nicht gestört, nicht alles zu sehen. Und es würde sie auch heute nicht stören, solange das Spiel genug für sie selbst bietet.  "Jeder muss alles sehen" läuft "Der Weg ist das Ziel" zuwider. Beides kann nicht nebeneinander existieren.

 

Blizzard wird sich daher aus meiner SIcht in Legion entscheiden müssen: Wählen wir erstere Philosophie oder Letztere. In jedem Fall werden SPieler unzufrieden sein, während andere sich freuen. Das war schon immer so.

 

Fazit:

 

Ich kritisiere den LFR, nicht dessen Spieler. Ich kritisiere ihn nicht, um den LFR Spielern zu schaden, viel mehr im Bewusstsein, ihnen eine bessere Alternative zu bieten, die nach meinem Erachten besser für das Gesamtspiel wäre.

 

Denn: Die Kundenzahlen fallen. Blizzard muss nun etwas grundsätzlich ändern. Und der Schlüssel für diese grundsätzliche Änderung besteht für mich im Wegkommen von "Jeder muss alles haben".

 

Besitz macht nicht glücklich, nicht hier und auch nicht im echten Leben. Nicht auf Dauer.

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Kommentare: 1
  • #1

    V. (Samstag, 31 Oktober 2015 13:34)

    Zu den einzelnen Kritikpunkten:

    1. "Er ist anonym..." - genau das schätzen viele Leute, die wollen das so haben, genauer schätzen sie weniger die Anonymität, sondern dass sie damit von den anderen Spielern völlig unabhängig sind, denn es entscheidet kein Spieler mehr, ob sie rein können oder nicht. Das ist der wirkliche Vorteil des Tools, man kommt auf jeden Fall rein, wann man will!

    2. "Er trivialisiert andere Raids" - das Argument ist nicht nur flüssig, sondern überflüssig, weil genau dasselbe könnte man auf Normalmodusraids anwenden, denn auch dort drin bekommt man Beute für deutlich weniger Leistung als auf Mythic. Also trivialisiert auch der die HC- und Mythicraids. Weg damit! Am Besten nur noch einen Schwierigkeitsgrad für alle... und das wird keiner wirklich haben wollen.

    3. "Er belohnt das Wipen..." - das ist eine spieltechnische Notwendigkeit, die dem Frustabbau dient. Es verlangt keiner, dass man dies toll finden muss, aber es ist notwendig. Der Buff alleine macht noch keinen Sieg, man muss nämlich weiter drin und dran bleiben, was viele aber nicht tun. Der Buff ist eine Notwendigkeit, wozu das Fehlen führte, konnte man früher beim Rücken von Todesschwinge gut beobachten, Gruppen die mitten drin nicht mehr weiter machen konnten.

    "Und ein geschenkter Erfolg, ist kein Erfolg." Das ist die Crux an deiner Argumentation, Erfolg - nur weil es für DICH kein Erfolg mehr wäre, heißt es noch lange nicht, dass es nicht der Rest als Erfolg ansieht.

    "Diese Philosophie hat ebenso verheerende Folgen: Lernkurven gibt es dort nicht, Spieler treffen im Normal-Mode dann erstmals auf echte Schwierigkeitsgrade, die s zwingend erforderlich machen die eigenen Fehler auszubessern, denn dort gibt es keinen Stärkungsbuff." Und wo ist daran das Problem? Die Raids mussten sich früher auch ihre Spieler erziehen und ausbilden, sie sind nur heute oft nicht mehr wirklich dazu bereit, und dass ist das Problem!

    Und wenn man den LFR und Dungeons knüppelhart machen würde, dann stellt sich der hier erwünschte Lerneffekt auch nicht zwangsweise ein. Den gibt's nur in einer koordinierten Gruppe.

    Vorquests für Raids? Die kannst du vergessen, keine Raidgilde wird darauf Lust haben mitten im Raidzyklus zu warten, bis ein Kandidat mal seine Vorquest abgeschlossen hat. Wildstar ging damit baden, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.