Von "armen, unterdrücken Rechten" und "besorgten Bürgern"

Festhalten, es wird politisch. Wo Faschismus aufkommt, muss Vernunft entgegengesetzt werden.


Heute war mal wieder so ein Tag, so ein Tag an welchem man am letzten Fitzelchen vorhandenen Verstand innerhalb gewisser Bereiche der "Community" zweifeln möchte und sich fragt, ob die neue Forumsfarbe nur aus Zufall braun ist. Und zwar völlig zurecht.


Bekennende Rechte (bzw. am Rechts sein ist erstmal nichts schlimm, ich muss von bekennenden Rechtsradikalen sprechen) durften mal wieder freudig das Forum zum kollektiven Dreckwerfen bezwangsglücken. Natürlich geht es um diesen mittlerweile geschlossenen Thread.


Natürlich könnte ich das Ding wie die 20 Male davor, in der seitens der Moderation auch schon nichts getan wurde abhacken, aber ehrlich gesagt habe ich darauf mittlerweile keine Lust mehr. Die hören ja nicht einfach auf, ihre Sülze zu verbreiten, nur weil man selbst die Klappe hält. Und ein Leitsatz von mir lautet: Wo offen Dummheit propagiert wird, muss man offen die Vernunft und den Verstand dem entgegensetzen.


Oder anders gesagt: Wenn in einem Forum es zugelassen wird, dass sich Rechte ein gemütliches Picknick zurechtbasteln, dann hilft es auch leider nichts mehr zu Schweigen, dann muss man dem wenigstens etwas entgegensetzen.


Doch fangen wir mal ganz langsam an:


Für besagte Anteile der Community bin ich natürlich das personifizierte Übel dieser Welt.  Der "Gutmensch", tief verbunden mit Kommunismus und Stalin. Für diese Anteile der Community liegt das natürlich völlig klar auf der Hand.


Und die Indizien sind ja auch mehr als erdrückend. Da wäre zum einen schon mal der erschütternde Beweis, dass ich die Allheilslösung nicht im Errichten von Zäunen und Mauern sehe. Eigentlich würde dieser Punkt schon reichen, um mich zum "Feind" zu erklären. Natürlich hört es damit nicht auf.


So besaß ich auch noch die Dreistigkeit, die Frage zu stellen, ob nicht vielleicht die wirtschaftliche und kriegerische Ausbeutung eines ganzen Kontinents vielleicht irgendwie und evtl. etwas mit den Problemen zu tun haben könnte. Das bringt das Fass natürlich zum überlaufen für die besorgten Bürger. Blasphemie, jeder weiß doch, dass die nur kommen um uns im kollektiven Einvernehmen durch Fortpflanzung zu assimilieren.


Ich möchte damit deutlich machen, auf was für einer primitiven Ebene wir uns hier bewegen. Diese zwei Punkte haben ausgereicht, damit ich als "Gutmensch" und "tieflinker" Mensch bezeichnet werden. Das muss sich jeder klar denkende Mensch einfach mal durch den Kopf gehen lassen, was das für ein Wahnsinn ist!


So niedrig sind die Schranken für einige "besorgte Bürger", um andere als "tieflinke Gutmenschen" zu diffamieren. Angesichts dieser primitiven Denkmuster ist es da natürlich in keiner Weise verwunderlich, dass man sich umgeben von der roten Gefahr sieht.


Doch sag mal Shaila, wenn du nicht "tiefrot" bist, was bist du denn dann?


Tja, keine leichte Frage muss ich zugeben. Eines weiß ich: Ich kann mich mit keiner politischen Partei des derzeitigen Systems vollständig identifizieren. Manche Parteien haben eher Überschneidungen mit meinen Überzeugungen, andere weniger.


Die...ja...man muss schon sagen "Anschuldigung" (wie absurd), ich wäre "tiefrot" stimmt jedoch schon mal nicht. Nehmen wir einmal die Linke als Partei. Sie fordern viele Dinge, die ich so sofort unterschreiben würde, leisten auch gute Oppositionsarbeit.


Aber es gibt da auch sehr viele Dinge, die mich die Stirn runzeln lassen. Zum Beispiel wenn es um Krieg und Waffen geht. Ein ISIS lässt sich nicht mit netten Worten beseitigen. Krieg ist immer schlecht, aber man kann ihn sich leider nicht mit netten Worten wegreden. Diese Partei ist in dieser Hinsicht z.B. oft sehr weit weg von der Realität.


Ebenso halt auch beim Thema Flüchtlinge. Natürlich möchte man helfen (wobei, der besagte Anteil an besorgten Bürgern möchte das halt nicht), aber alles hat Kapazitäten. Es gibt ganz reale Grenzen der Belastbarkeit, schon rein wirtschaftlich gesehen, vom sozialen Aspekt ganz zu schweigen. Deswegen kann man sich nicht einfach hinstellen und sagen: Ausnahmslos alle sind willkommen und zwar unbegrenzt. Auch das ist eine dieser Träumerein. Diese Träumerei steht aber dem großen Traum vom tollen Zaun, der all unsere Probleme löst in Nichts nach. Nein, der ist im Gegenteil sogar noch realitätsferner als der erste Traum.


Und da sind wir auch schon in der Kernthematik. Einfache Lösungen für komplexe Probleme. So geht es aber eben nicht. Und hier ist das, was doch wirklich besorgniserregend ist: Allein sogar schon mit so einer Aussage ist man heute ein "Feind" der "besorgten Bürger".


Nur weil man nicht bereit ist, ein "lasst uns halt einen Zaun bauen" als Allheilsantwort zu akzeptieren. In was für primitiven Denkmustern bewegen wir uns hier also? Das meine Freunde, das ist Faschismus. Er erlebt eine neue Blüte in Deutschland, in Europa.


Grautöne verschwinden zunehment. Und egal wie man sich äußern wird: Man wird entweder vom linken "lasst uns alle Aufnehmen ansonsten Na.zi" Faschismusflügel oder vom rechten Faschismusflügel "Flüchtlinge raus, sonst Gutmensch" zerfetzt.


Und das bedeutet: Man kann die Konfrontation eigentlich nur noch vermeiden, indem man sich überhaupt nicht mehr äußert. Wenn man sich äußert, wird einem entweder vorgeworfen, auf dem linken oder aber auf dem rechten Auge blind zu sein. Was ist das doch für ein Armutszeugnis für die freie Meinungsäußerung, für die Freiheit Allgemein, für die Vernunft, vor allem aber für die Demokratie.


Die alten Fronten links und rechts bauen sich wieder auf. Nach zwei Weltkriegen hätte man denken können, dass der kleine Funken der Vernunft sich vielleicht endlich durchsetzen würde, aber scheinbar sind die Menschen noch immer nicht weit genug gekommen.


Es muss erst wieder krachen. Es muss erst wieder alles den Bach runtergehen, es müssen sich erst wieder verschiedene Lager gegenseitig zerfleischen, es muss erst wieder brennen und fackeln, bis man die Notwendigkeit des Miteinanders begreifen wird. Es ist zum Verzweifeln.


Das Verzweifeln an den Extremen


Verzweiflung ist überhaupt das Stichwort. Wenn man weder mit Menschlichkeit, noch mit Vernunft weiterkommt: Was bleibt? Menschlichkeit und Vernunft sind für mich zwei untrennbare Begriffe. Menschlichkeit ist nicht möglich, wenn man Vernunft nicht begriffen hat und Vernunft ist ohne Menschlichkeit nicht möglich.


Extreme zeichnen sich dadurch aus, dass sie einer Seite zu viel Vorang lassen und die andere in Abseits drängen. Ich bin ja ein großer Fan von Star-Trek. Eine schon damals visionäre Serie und ihre Aktualität zeigt sich hier wieder, denn genau dieser Zusammenhang wurde dort stets thematisiert.


Da war auf der einen Seite Spock, als Verfechter der Rationalität, der Logik. Auf der anderen Seite Pille, er trat für die Menschlichkeit ein. Doch immer wieder auf den Reisen der Crew stellten sich Probleme, die allein mit Logik oder allein mit Menschlichkeit nicht zu lösen waren.


Erst ein Zusammenspiel zwischen beiden machte wirkliches menschliches Handeln und somit das Lösen von Problemen erst möglich. Heute haben wir "besorgte Bürger", die sich einzig der Rationalität unterwerfen und auf der anderen Seite radikale Willkommenseiferer, welche die Rationalität gerne ausblenden.


Wie soll man den Extremen noch begegnen bei einer "entweder für mich oder gegen mich" - Mentalität?


Ich weiß jedoch, dass es in diesem Forum mindestens drei Personen gibt, die diese Gedankengänge nie begreifen werden. Zu tief sitzen Hass, Verachtung, Feindbilder. Es geht diesen Personen überhaupt nicht mehr um das Vernünftigsein. Die Fronten sind längst abgesteckt, der Feind ist ausgemacht, die Waffen sind schon geladen. Diese Menschen wollen keine wirkliche Debatte mehr über Ursachen und Lösungsansätze. Diese Menschen wollen ihren Hass verbreiten und ihre Gegner eliminieren. Dies ist ihr Anliegen.


Und Gegner sind nicht nur die tatsächlichen Gegner, sondern eben auch jene wie z.B. ich, die nicht für sie sind. Somit bin ich auch ein Feind. Radikalität in Reinform.


Die gelenkte Empörung:


Dabei merken sie nicht einmal mehr, dass sie nichts weiter als eine Spielfigur sind. Wie Marionetten wird auf den gesähten Hass angesprungen. Wie auf Knopfdruck werden die Debatten geführt, welche erwünscht sind. Andere Thematiken verschwinden.


Nun kann man schalten und walten. Nun kann man die Jungen gegen die Alten ausspielen, die Deutschen gegen die Flüchtlinge, die Frauen gegen die Männer. Ost gegen West, Süd gegen Nord. Blanker Wahnsinn.


Niemand kümmert es mehr, warum die Menschen überhaupt fliehen. Niemand kümmert es mehr, warum so viele im Niedriglohnsektor arbeiten und diese dann logischerweise eine existentielle Bedrohung in Flüchtlingen sehen. Niemand fragt mehr warum Junge und Alte überhaupt gegeneinander ausgespielt werden.


Anstatt an die Wurzeln zu gehen: Armut, Krieg und wirtschaftliche Ausbeutung zu vermeiden, betreibt man Symptombekämpfung. Nein, viel mehr spielen sich Gruppen gegeneinander aus, die überhaupt erst durch diese viel tiefgreifenderen Probleme entstanden sind.


Diese Menschen haben nicht "mal eben so" entschieden zu flüchten, weil sie es gerade lustig fanden. Afrika, der gesamte Nahe Osten, über Jahrzehnte lang hat der Westen in Selbstgefälligkeit diese Regionen in einem Zustand des geordneten Chaos gehalten. Und das ist auch jetzt noch so.


Gerade stabil genug, um ein Mindestmaß an Ordnung aufrechtzuhalten, aber blos nicht zu stabil, denn das Chaos nützt der Wirtschaftsmacht des Westens. Würden die Leute in diesen Ländern nicht ständig bombadiert werden, ihr Land von Großkonzernen aufgekauft bekommen und auch mal wieder ihre eigenen Hähnchen und Klamotten verkaufen können, dann hätten die überhaupt keinen Grund hierher zu kommen.


Aber das interessiert keinen mehr. Anstatt das man mal den angeblich gerechten Volkszorn gegen die Lobbyisten in Brüssel richtet, die diese Scheiße zu verantworten haben oder mal zum großen Nachbarn über den großen Teich schaut, denkt man nicht weiter als 3 Meter Feldweg.


Über Jahre haben wir es forciert, dass diese Länder von UNS abhängig sind. Und es besteht ein Interesse daran, dass es so bleibt. Es besteht kein Interesse daran, dass diese Region Hilfe zur Selbsthilfe bekommt. Denn das würde wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten.


Ein Ätopien darf halt keinen veredelten Kaffee (also das wirklich Wertvolle) verkaufen. Die Schutzzölle der EU sind dafür zu hoch. Lieber holen wir uns billig den Rohkaffee, geben den Leuten ein paar Mitleidsgroschen und verdienen uns selbst eine goldene Nase mit dem veredelten Kaffee.


Um unser Gewissen zu beruhigen gehen wir brav zur Altkleiderspende und zerstören damit die Ansätze einer Textilindustrie in den armen Regionen, wie soll eine Industrie dort wachsen, wenn sie mit unseren Kleiderspenden bombadiert wird? Wer soll die kaufen, zu welchem Preis?


Wir wollen nicht, das dort Bauern ihr eigenes Land bewirtschaften. Lieber kaufen wir uns selbst das Land, pflanzen unseren Soja dort an und die Bauern kriegen vielleicht noch eine kleine Abfindung.


Wir wollen nicht, dass die Leute dort ihr Geflügel verkaufen können. Lieber subventionieren wir unsere Geflügelhaltung so heftig, dass kein einheimischer Bauer gegen diese Preise jemals auch nur bestehen könnte.


So sieht es aus meine Freunde. Doch darüber macht sich keiner Gedanken.


"Was interessiert mich das, ich will in Ruhe mein Feierabendbier trinken und Fernsehen".


Was für eine Selbstgefällgkeit. Über Jahre hat es kaum jemanden interessiert. Jetzt stehen viele Menschen vor dem Nichts und alles was einigen "besorgten Bürgern" einfällt sind Pöbelein und Feuerchen. Jetzt betrifft es ja auf einmal einen selbst.


Es ist halt angenehmer in das Stück Fleisch für 2 Euro zu beisen und das Hirn dabei abzuschalten. Was juckt es mich, was sonst wo passiert, mir geht es gut. Tja, nun zeigen sich die Früchte dieser Selbstgefälligkeit zunehmend.


Über Hass


Und umso mehr über mich selbst schockiert beobachte ich, wie ich selbst anfange jene Leute zu hassen. Ich identifiziere mich mit dem evolutionären Humanismus, was für mich einschließt, Hass als in hohem Maße negativ anzusehen. Und doch, komme ich nicht darum herum zuzugeben, dass ich Hass gegenüber diesen Menschen empfinde. Hass und Verachtung.


Ich weiß, dass es falsch ist, tief im Inneren ist es aber genau das. Vielleicht fußt dieser Hass aber auch weniger auf den Personen selbst, sondern viel mehr auf meinem Unvermögen, diese Personen von ihrem absurden Pfad abzubringen, der sie Wohnungen in Brand setzen lässt oder andere als Gutmenschen titulieren lässt.


Ich habe keine Antwort darauf, wie man diese Menschen noch erreicht. Es kommt mir vor, wie ein Krankheitsgeschwürr, welches sich immer weiter ausbreitet, als würde sich der Wahnsinn selbst ausbreiten.


Was man dort stellenweise auch für Kommentare liest, wenn irgendein Gebäude in Flammen aufgeht. Da sind Dinger dabei, wo ich mich Frage, ob man als normaler Mensch den Hass überhaupt völlig unterdrücken kann.


Der Hass schlägt dann aber auch letztlich in Mitleid bis Trauer um. Tatsächlich finde ich die Entwicklung vor allem traurig. Ich finde es traurig, dass wir uns zwar im 21. Jahrhundert befinden, uns aber wieder auf das 20. zubewegen. Und ich kann scheinbar Nichts dagegen tun. Genau Letzteres macht mich wahrscheinlich traurig.


Die Ohnmacht vor diesem Hass. Die Ohnmacht vor diesen Verdrängungen der Ursachen. Die Ohnmacht vor dieser Radikalität. Und der Faschismus lächelt dazu nur und schwenkt die Siegesflagge.


Dennoch darf die Antwort keine Ohnmacht vor dem Hass sein. Und somit möchte ich diesen sehr langen Beitrag schließen mit meinem Lieblingszitat, welches hier umso mehr passt, denn wer weiß, ob diesen Text überhaupt jemand liest (und auch versteht):


Wir mögen noch so oft betonen, der menschliche Intellekt sei kraftlos im Vergleich zum menschlichen Triebleben, und recht damit haben. Aber es ist doch etwas Besonderes um diese Schwäche, die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör geschafft hat.


Siegmund Freud (1856 - 1939)

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Kommentare: 1
  • #1

    V. (Mittwoch, 28 Oktober 2015 13:03)

    Nun, seit 2001 sind die Moslems und der Islam das Lieblingsfeindbild des Westens und es wurden und werden ordentlich Ressentiments gegen diese bis heute geschürt. Nun sind auf einmal Millionen Syrer auf der Flucht, die größtenteils Moslems sind. Da ist es doch klar, dass diese Saat nicht folgenlos bleibt.

    Außerdem: Armut ist für die herrschende Klasse toll, damit lässt sich eine Bevölkerung prima regieren, in Angst und Schrecken versetzen so wie damit Geschäfte machen. Auch sorgt es dafür, dass die lieber nach unten treten, als sich mal nach oben orientieren.

    Teile und herrsche, das konnten schon die antiken Römer und wie man sehen kann, funktioniert das bis heute prima.

    Von Blizzard kannst du da nichts erwarten, es ist ein US-Unternehmen, die Niederlassungen sind in Irland und Frankreich und es ist ja nicht mal gesagt, dass die Community Manager Deutsche sind, man weiß nur, sie sprechen Deutsch. Und je nachdem, wo die herkommen, sehen sie es auch durch eine völlig andere Brille.

    Es zeigt auch mal wieder, dass Politik als Thema von Anfang an moderiert gehört, ansonsten stoßen sich da immer einige schnell die Köpfe ein - und im Allgemein-Forum hat es sowieso nichts verloren, eben so wenig im Handelskanal.